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Kriegsrestemuseum

Foto: flowcomm, CC BY 2.0

Erinnerung an den Krieg

Audioguide Kriegsrestemuseum (Bảo tàng Chứng tích Chiến tranh)

Ho-Chi-Minh-Stadt · 5 Stationen · 90 Min.

Flugzeuge im Hof, eine Guillotine neben dem Eingang und die Fotos des Agent Orange: Das Museum, das Saigon 1975 eröffnete, steht auf einem Grundstück, das einst kaiserliche Pagode, französisches Fort, Klinik und amerikanisches Büro war.

  • 90 Min. Audio
  • Vietnamkrieg

Am 4. September 1975 eingeweiht, kaum vier Monate nach Kriegsende, zeigt das Kriegsrestemuseum die menschlichen Kosten des Vietnamkonflikts mit einer Härte, die sich nur wenige Museen erlauben. Es bewahrt mehr als 20.000 Dokumente, Objekte und Filme, von denen mehr als 1.500 auf 9 Dauerausstellungen verteilt sind, und gehört seit 1998 zum Internationalen Netzwerk der Friedensmuseen.

Unter den Panzern im Hof verbirgt sich eine viel längere Geschichte: Auf diesem Grundstück wurde 1791 der spätere Kaiser Minh Mạng geboren, ein französischer Hauptmann machte die Pagode zum Fort, die erste Ärztin Vietnams eröffnete eine Klinik, und die Amerikaner richteten ihre Büros ein. Sogar der Name des Museums hat sich im Takt der Landesgeschichte zweimal geändert.

Highlights

  • Hof mit Kriegsgerät — Huey, F-5A, Skyraider, Panzer M48 und die Daisy-Cutter-Bombe von 6.800 kg
  • Tigerkäfige — Nachbau der Zellen von Côn Đảo mit originalen Eisentüren
  • Die Guillotine — Original, zuletzt 1960 benutzt
  • Agent-Orange-Saal — Fotografien von Opfern und drei Gläser mit konservierten Föten
  • Kriegsfotografie — rund 250 Bilder, gestiftet von Bun'yō Ishikawa

Am 4. September 1975, vier Monate nach dem Fall Saigons, eröffnete das Stadtkomitee der Partei in der Nummer 28 der damaligen Straße Trần Quý Cáp, heute Võ Văn Tần, eine Ausstellung mit einem Namen, der keinen Zweifel ließ: Haus zur Ausstellung der Verbrechen der USA und ihrer Marionetten. Ein halbes Jahrhundert später ist das Kriegsrestemuseum (Bảo tàng Chứng tích Chiến tranh) eines der direktesten und umstrittensten Museen von Ho-Chi-Minh-Stadt: Flugzeuge und Panzerfahrzeuge unter freiem Himmel, Isolationszellen, eine echte Guillotine und Fotografiesäle, die nichts beschönigen.

Die Geschichte des Kriegsrestemuseums beginnt lange vor 1975. Das Grundstück war königliche Pagode, koloniales Fort, Villa mit Geburtsklinik und amerikanisches Büro, und das Museum selbst hat Namen und Ton im Takt der Beziehungen zwischen Vietnam und den USA gewechselt. Dieser Faden, belegt und anhand historischer Quellen geprüft, zieht sich durch jede Station des Audioguides, der den Besuch zu mehr macht als einem Gang zwischen Vitrinen.

Rund vierhundert Meter entfernt bewahrt der Wiedervereinigungspalast das Tor, durch das am 30. April 1975 die Panzer einfuhren, und die Kathedrale Notre-Dame von Saigon ist nur einen Spaziergang entfernt.

Eine kaiserliche Pagode unter dem Hof

Bảo tàng Chứng tích Chiến tranh

Zusammenfassung dieser Station

Vor dem Tor in der Võ Văn Tần erinnert nichts daran, dass hier ein Tempel stand. Dennoch gebar 1791 hinter der Pagode Khải Tường, die dieses Gelände einnahm, die Konkubine Trần Thị Đang Prinz Nguyễn Phúc Đảm, den späteren Kaiser Minh Mạng. Schon auf dem Thron bezahlte der Monarch die Restaurierung der Pagode mit 300 lạng Silber aus der königlichen Schatzkammer und taufte sie Quốc Ân Khải Tường tự. Der Überlieferung nach begann alles 1744 mit zwei verbrüderten Mönchen, die den Dschungel rodeten und zwei Laubhütten wenige Schritte voneinander errichteten, der Ursprung der Schwesterpagoden Từ Ân und Khải Tường.

Der Tempel überlebte die Ankunft der Franzosen nicht. Nach der Einnahme der Zitadelle von Gia Định durch die französisch-spanische Expedition im Dezember 1859 wurde die Pagode zum Fort unter dem Befehl von Hauptmann Nicolas Barbé, der die Buddhastatue in den Hof schaffen ließ; der Ort hieß fortan Fort Barbé, bis die Aufständischen von Trương Định den Hauptmann in der Nacht des 7. Dezember 1860 außerhalb seiner Mauern töteten. 1880 riss die Kolonialverwaltung die Pagode ab. Der vergoldete Buddha wurde gerettet, und wie ein Kaiser den genauen Winkel seiner Geburt auffand, ist eine der Geschichten, die die Erzählung für diese Station aufhebt.

Ein Huey im Garten der ersten Ärztin Vietnams

Flugzeuge und Hubschrauber im Hof

Zusammenfassung dieser Station

Der ummauerte Hof zieht den Blick zuerst an: ein Hubschrauber Bell UH-1 «Huey», ein Jagdflugzeug Northrop F-5A, eine Douglas A-1 Skyraider, eine Cessna A-37 Dragonfly, ein Panzer M48 Patton und Artilleriegeschütze im Freien. Unter ihnen ragt die Hülle einer BLU-82 «Daisy Cutter» heraus, einer konventionellen Bombe von 15.000 Pfund (6.800 kg), von C-130-Flugzeugen abgeworfen und in Vietnam dazu entwickelt, ein Stück Dschungel niederzuwalzen und sofort eine Landezone für Hubschrauber zu öffnen; es wurden 225 gebaut. In einer Ecke sind Bomben und nicht explodierte Geschosse versammelt, inzwischen entschärft.

Die Ironie des Ortes liegt in dem, was vorher war. Mitte des 20. Jahrhunderts errichtete der Politiker Bùi Quang Chiêu hier eine europäische Villa, und 1940 eröffnete seine Tochter, Dr. Henriette Bùi, die erste Ärztin Vietnams, darin eine Klinik für Geburtshilfe und Gynäkologie. 1961 ging das Gebäude an die amerikanischen Militärberater; die vietnamesische Fassung und das Museum selbst sprechen später von einem Büro für Zivilpersonal, einem der USAID und, seit 1973, vom Sicherheitsdienst der Botschaft, während andere Quellen es als Sitz von Information und Geheimdienst beschreiben. Manche der Flugzeuge im Hof sind außerdem nicht das, was ihre Schilder sagen, ein Detail, das der Audioguide vor den Rümpfen enthüllt.

Tigerkäfige und eine Guillotine von 1960

Nachbau der Tigerkäfige

Zusammenfassung dieser Station

Ein niedriges Gebäude des Geländes bildet die «Tigerkäfige» des Gefängnisses von Côn Đảo nach, 1940 von den Franzosen gebaut: 120 Isolationszellen, von Eisengittern bedeckt. Der Nachbau enthält einen originalen Satz Eisentüren jenes Gefängnisses, in Frankreich gegossen und mit Unterstützung des Parteikomitees von Côn Đảo nach Ho-Chi-Minh-Stadt gebracht. Die Käfige kamen im Juli 1970 ans Licht, als zwei amerikanische Kongressabgeordnete, Augustus Hawkins und William Anderson, vom offiziellen Besuch abwichen; die Fotos von Tom Harkin erschienen am 17. Juli jenes Jahres in der Zeitschrift Life.

Unter freiem Himmel, vor dem Haupteingang, steht die originale Guillotine, die das Museum nach langer Suche aufspürte und die von den französischen Behörden und vom Regime Südvietnams zuletzt 1960 zur Hinrichtung von Gefangenen benutzt wurde. Neben den Zellen von Côn Đảo wird außerdem eine andere Käfigversion gezeigt, nur aus Stacheldraht, die des Gefangenenlagers von Phú Quốc. Was es nach den überlieferten Berichten bedeutete, darin eingesperrt zu sein, ist eine der härtesten Geschichten des Rundgangs.

Anklagende Fotos, gefallene Fotografen

Fotoausstellung «Hồi Niệm»

Zusammenfassung dieser Station

Der Saal der Kriegsfotografie mit der Ausstellung «Hồi Niệm» erinnert an den Ursprung des Museums: eine 1975 aus einer am 13. August jenes Jahres geschaffenen Untersuchungskommission für Kriegsverbrechen hervorgegangene Schau, die anklagen sollte. Hier ist ein Teil der rund 250 Fotografien zu sehen, die der Japaner Bun’yō Ishikawa, der zwischen 1964 und 1968 von Saigon aus über den Krieg berichtete, dem Museum 1998 für eine Dauerausstellung stiftete.

Das Museum zeigte auch «Requiem», die Hommage an die gefallenen Fotografen beider Seiten in den Kriegen von Vietnam und Indochina, hervorgegangen aus dem Buch von Horst Faas und Tim Page, das 1997 die Robert-Capa-Goldmedaille und den George-Polk-Preis gewann. Hinter diesen Bildern steht eine persönliche Obsession, die mit Sean Flynn verbunden ist, dem Sohn des Schauspielers Errol Flynn, der im April 1970 auf einer Straße in Kambodscha verschwand. Wie diese Abwesenheit das Leben seines Freundes Tim Page prägte, erzählt die Erzählung vor den Fotos.

Drei Gläser und ein sanfterer Name

Agent-Orange-Saal

Zusammenfassung dieser Station

Der Agent-Orange-Saal vereint Fotografien von Opfern des Dioxins und drei Gläser mit konservierten menschlichen Föten, durch das Entlaubungsmittel missgebildet. Er ist der persönlichste Schlag des Besuchs. 2014 und 2015 änderte die Sonderausstellung «Agent Orange: Messages from the Heart» den Blickwinkel und zeigte Überlebende, die ihren Weg gegangen sind, in einer Wendung zu einem versöhnlicheren Ton.

Diese Wendung hat Vorläufer im Namen des Museums selbst. Am 10. November 1990 verlor es die Wörter «USA» und «Marionetten», und am 4. Juli 1995, ein Jahr nach dem Ende des Embargos und der Normalisierung der Beziehungen zu Washington, nahm es den Namen Kriegsrestemuseum an. Manche sehen in der Darstellung weiterhin einen einseitigen und absichtlichen Blick, und die Debatte setzt sich in den Besucherbüchern fort. Das heutige Ausstellungsgebäude, dessen Bau 2002 begann, wurde am 28. April 2010 auf demselben Grundstück eröffnet. Wie ein Museum, das zum Anklagen gedacht war, in einem Netzwerk der Friedensmuseen landete, ist der Abschluss, den der Audioguide für das Ende aufhebt.

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